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Einheit und Vielfalt

“Das Eine und das Viele bilden in mehrfachen Bedeutungen einen Gegensatz. Einer davon ist der Gegensatz des Einen zur Menge im Sinne des Unzerlegbaren zum Zerlegbaren; denn das Zerlegte oder Zerlegbare heißt eine Menge, das Unzerlegbare oder Nicht-Zerlegte Eines.”  
(Aristoteles – Metaphysik – 1024a [20])

“Aus dem Einen kommen die Zwei. Aus den Zwei die Drei. Aus den Drei die Zehntaused – das sind alle Dinge.”
(LaoTse, nach dem Tao-Te-King)

In spirituellen Kreisen gilt heute das Paradigma der All-Einheit als einer der wesentlichen Grundfaktoren spirituellen Erlebens. Und dies ist durchaus ein positiver und guter Ansatz. Dennoch befürchte ich, dass viele spirituell Aktive oder Interessierte die wahre Dimension dieser Aussage noch nicht – oder nicht hinreichend – verstanden haben.

Denn die wahre Einheit aller Dinge erschließt sich nicht verstandesmässig – sondern nur durch das Erlebnis. Die unio mytica – oder wenn sie so wollen: das All-Einheits-Erlebnis – war immer schon Gegenstand des mystischen Erkenntnisweges. Sie ist eines der großen Mysterien in die den Suchenden kein Lehrer oder Meister, sondern nur das Leben selbst einzuführen vermag, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Natürlich ist es hilfreich und gut, sich auch mit dem Verstand – dem Intellekt oder der Ratio – dieser wesentlichen Grundlagen allen Seins in unserem Universum zu befassen. Es geht angesichts der Erfahrung der Einheit aller Dinge eben gerade nicht um etwas, das dem Verstand per se voll zugänglich wäre.

“Wir sind keine Menschen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern wir sind spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein.” (Pierre Teilhard de Chardin)

Was bedeutet denn das Menschsein an sich? Wir – auch die spirituell Praktizierenden – sind, um mit Teilhard de Chardin zu sprechen, keine Menschen die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen. Teil diese Erfahrung ist der temporäre Connex eines Lebens zwischen der erhabenen Größe der Unendlichkeit des Raumes, und der Ewigkeit der Zeit im Angesichte der Erfahrung der absoluten Endlichkeit unseres (körperlichen) Seins.

Die Wahrheit ist, das die Endlichkeit der wir unterworfen sind, ein Ergebnis der Körperlichkeit unserer menschlichen Form ist. Wir leben – auch auf begrenztem Raum – in einer sterblichen Hülle die aus Zellen gebildet wird. Auch als Individuum, sind wir viele – denn das Gewebe unseres Körpers besteht aus 10 hoch 14 – also 100 Billionen Körperzellen, die rein für sich betrachtet wieder kleine, eigenständige Einheiten des Lebens bilden.

Als menschliches Individuum erfahren wir die scheinbare Grenzenlosigkeit unserer Welt – nur um zu erfahren, dass auch diese nur

Maya – Illusion im besten Sinne des Wortes ist. Denn hinter dem endlichen Raum unserer Welt, beginnt der Raum eines unendlichen Universums – dessen beobachtbare Ausdehnung nach dem Urknall bereits Dimensionen erreicht, die das Maß der menschlichen Vorstellungskraft bei Weitem übersteigen.

Und selbst an den Enden des Universums – sofern es solche gäbe – macht die Wirklichkeit, nicht halt. Neueren (eigentlich müsste man sagen: wieder aktuell gewordenen) Theorien zufolge umgibt unser Universum ein weiterer unendlicher Raum, der möglicherweise weitere Universen enthält. Die Multiversumshypothese ist dabei nichts anderes als ein moderner, naturwissenschaftlicher Zugang zu einer uralten Weisheit. Denn schon die Veden berichten davon, das Vishnu – der Weltenschöpfer in der indischen Mythologie – auf einem großen Lotus schläft – und von nebeneinander existenten Welten und Universen träumt, die gleich Seifenblasen auftauchen und wieder verschwinden.

So ist das Werden und Sein im Multiversum ein ewiger Prozess des Auftauchens und Verschwindens unendlicher Möglichkeiten des Seins – ein Vorgang, der sich uns nur Ansatzweise zu erschließen vermag. Inmitten dieses Vorgangs wird der Mystiker – am Beginn seines mystischen Weges – im Zuge der als unio mystica bezeichneten All-Einheitserfahrung gewahr, dass all dies, in der Tiefen Illusion der Getrenntheit aller Dinge in Wahrheit aus der ewigen, unergründlichen Einheit allen Seins entspringt.

Weder waren wir jemals getrennt von der schöpferischen Macht – noch sind wir jemals getrennt von der schöpferischen Macht. Der Wille und Geist des Ewigen umgibt und durchdringt uns. Den Vorgang diese Erkenntnis zu beschreiben, weiterzugeben und anderen zugänglich zu machen, bezeichnen wir als Mystik. Die Mystik ist die Erkenntnis der wahren Einheit aller Dinge. Und der Prozess diese auf allen Ebenen des Seins nachhaltig und eindeutig zu erforschen und zu ergründen.

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