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Mission Mystik – [achte Betrachtung]

Durch Akzeptanz Leid überwinden

“Nun spreche ich von etwas anderem: Ein guter Mensch kann der nicht sein, der nicht will, was Gott in jedem besonderen Falle will, denn es ist unmöglich, daß Gott irgend etwas denn Gutes wolle; und insonderheit, gerade darin und dadurch, dass es Gott will, wird es und ist es notwendigerweise gut und zugleich das Beste.” 
(M.Eckehardt)

Gott ist Licht – und in ihm gibt es keine Finsternis. Er ist der große Geist des Lebens. Durch ihn sind, leben und wirken wir in dieser Welt. Dennoch erleben Millionen von Menschen tagtäglich Leid, Enttäuschung, große und kleine Krisen und Betrübnisse in ihrem Leben. Wie also das Leid überwinden? Mit diesen und anderen Fragen befasst sich Meister Eckehardt im Buch der göttlichen Tröstung, einem Werk mittelalterlicher Mystik, über das ich hier im vorangehenden und nachfolgenden blogge.

Gutheit, Weisheit und Gerechtigkeit bilden als energetische Trias die Basis für Gottes Wirken und Handeln in unserer Welt. Mehr noch: Sie selbst sind Gott – Energiefelder in denen sich das Wirken Gottes kulminiert. Wenn Gott aber Gutheit, Weisheit und Gerechtigkeit ist, wie könnte er da am Ende gar etwas negatives Wollen? Diese und ähnliche Fragen plagten kluge Köpfe und große Denker über Jahrhunderte. 

Ein möglicher Lösungsweg diese Frage intellektuell zu beantworten, finden wir in D. Humes berühmtem Werk “Dialoge über die natürliche Religion”. Dort lässt der große Philosoph einen der agierenden Charaktere – bereits gegen Ende des Werkes – frei heraus sagen: Gott könne entweder nicht allmächtig, oder nicht gut sein, denn wie könnte ein guter und allmächtiger Gott all das Leid in der Welt zulassen? Also – folgert der empirische Philosoph – könne Gott nicht anders gedacht werden, denn als zwar schon allmächtiges aber eben nicht sonderlich am Menschen interessiertes Geistwesen. Und irgendwie klingt darin ja auch das Bild von Gott als unbewegtem Beweger an, wie es uns auch aus der aristotelischen Philosophie bekannt ist. 

Ein anderer Lösungsweg setzt das Problem kurzerhand am Menschen an, wie auch Meister Eckehart es – dem einleitenden Zitat zu folge – scheinbar getan hat. Gott ist gut, rein und heilig – aber der Mensch ist genau das nicht. Deshalb empfindet der Mensch, diesem Ansatz zu Folge, das doch allein Gute und heilige Handeln Gottes als negativ.

Die Mystik hatte immer schon einen eigenen Weg mit den großen Geheimnissen des menschlichen Lebens umzugehen. So lässt sie, als eine der wenigen geistigen Strömungen die die Größe dazu haben, manche Fragen bewusst offen. Es geht ihr nicht um voreilige Antworten auf komplexe Fragen. Es geht ihr um unsere Beziehung zum Geheimnis.

Gott hat das Leid nicht aus der Welt verbannt. Er lässt es vielmehr zu. Wir wissen nicht, warum und wozu. Aber gleichzeitig schwingt in diesem – an sich irritierenden Satz – auch ein großes Vertrauen mit. Ich weiß nicht, wie die Antwort auf das große Geheimnis des Leidens wirklich aussieht. Aber ich vertraue darauf, daß hinter diesem Geheimnis ein guter und allmächtiger Gott steht, der am Ende auch durch diese Leidenserfahrung hindurch nur unser Bestes will.

Der Apostel Paulus schreibt dazu einmal: “Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt.” (1.Kor. 10,13)

Was aber will Paulus damit sagen? Versuchung ist immer die Wurzel für Anfechtung. Anfechtung ist wie ein Angriff auf der geistlichen Ebene. Sie verursacht mir Probleme – und eben Leid. Leid kommt unter anderem dadurch zu Stande, daß ich etwas das mir widerfährt (oder widerfahren ist) nicht will. Mein Geist, mein Wesen, alles in mir sagt: Nein. Und doch passiert da etwas, das sich meiner Kontrolle völlig entzieht. 

Dieses Erleben von äußeren Umständen die ich zutiefst ablehne, erzeugt in mir eine art spirituelle Disharmonie. Mein Leben fühlt sich so an, als schwinge es nicht mehr richtig. “Es” ist nicht mehr so, wie “es” eigentlich sein soll. Die Konsequenz: Unwohlsein, emotionaler [oder auch körperlicher] Schmerz – und Leid.

Ich kann das Leid – auch wenn ich eine konkrete  äußere Situation vielleicht nicht verändern kann – aber insofern minimieren, als dass ich meine innere Einstellung zu den äußeren Umständen ändern kann. Das ist mitunter sehr schwer und es erfordert eine gewisse Übung, ein Training, bis dieser geistige Mechanismus mir dauerhaft helfen kann. Das akute Leid zu lindern funktioniert dadurch aber beinahe immer.

Indem ich den äußeren Umstand nicht mehr als etwas völlig jeder Kontrolle entzogenes sehe, verliert die Situation schon ihre übermächtige, katastrophale Ausstrahlung über mein Leben. Ich weiß: Das alles ist eingebettet in einen Gesamtzusammenhang, der mein Gutes zum Ziel hat. Relativiertes (in Beziehung gesetztes) Leid, ist ja – wie in einem vorhergehenden Beitrag schon beschrieben – halbes Leid.

Zusätzlich lindere ich mein Leid – löse es beinahe schon auf – indem ich den äußeren Umstand einfach akzeptiere. Ich kämpfe nicht dagegen an. Ich akzeptiere daß mir dieses oder jenes widerfährt, daß dieses oder jenes so ist wie es ist. Ich integriere es als Teil meiner selbst in mein Leben. Dadurch werde ich vom Opfer einer Situation zur Situation selbst. Der äußere Umstand verliert seine Macht über mich. Ich beherrsche ihn – und bin damit wieder zum Herrn im eigenen Haus geworden. Ich bin verbunden mit dem großen Strom der universellen Liebe. Ich empfange Heilung. Und das Leid verpufft.

+++ Mehr kommt bald +++

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