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Mission Mystik – [achtzehnte Betrachtung]

“Man soll überdies wiederrum wissen, daß in der Natur der Eindruck und Einfluss der obersten und höchsten Natur einem jeglichen Wesen wonnesamer und lustvoller ist, denn seine eigene Natur und Wesenart.” 
(Meister Eckhart)

Spiritualität ist im Grunde jenseits von gut und böse angesiedelt. Jenseits von Du und Ich. Jenseits von allen Dingen die Zweiung und Parteiung bewirken. Spiritualität leitet uns zum Ziel. Sie ist also zugleich Weg und Mittel den geistigen Weg zu gehen. Vielleicht kann man sagen: Spiritualität ist wie die Tür, die uns den Weg zum Einssein mit der Gottheit, und über das Einssein mit Gott, hin zum Einssein mit allen Dingen führt.

In jedem Fall entdecken wir auf unserer spirituellen Reise etwas, wie eine doppelte Natur im Menschen. Die Mystik spricht in diesem Zusammenhang vom edlen und vom  alten Menschen.

Wenn du dich fragst woher es kommt, daß zwar alle Menschen letztlich das Gute wollen, aber dann doch immer wieder etwas negatives bei allem bemühen herauskommt wirst du feststellen: Es ist eben dies der Fall, daß im Herzen des Menschen zwei Naturen, zwei Welten um die Vorherrschaft streiten, und je nach Lust und Laune – oder Gesinnung – des Menschen kommt dann entweder die himmlische, oder die höllische Seite im Leben hervor.

Und zwar in einem Leben: in einem Menschen.

Der alte Mensch – und das ist meiner Ansicht nach eine der großen Lehren der biblischen Überlieferung vom Sündenfall – entfernt sich immer weiter vom Paradies, indem er sich regelmäßig selbst in die größte Misere und den ärgsten Schlamassel katapultiert.

Der neue, himmlische Mensch dagegen bewegt sich – ebenso wie von selbst – seiner überirdischen Natur folgend hin zum Guten, zu Gott und zur Gerechtigkeit.

Der alte Mensch ist wie ein Stein – den Gesetzen der Schwerkraft folgend strebt er immer weiter nach unten, während der neue Mensch wie das Wasser ist, das den alten Meistern zufolge vom Mond angezogen nach oben streben und fliessen kann. Was immer das naturwissenschaftlich betrachtet heißen mag…. Fakt ist: der neue Mensch UND der alte Mensch kommen im Leben des Menschen immer wieder zum Vorschein.

Zumindest: So lange der Mensch nicht mit der höchsten Natur aller Dinge – der Alleinheit selbst – mit Gott verbunden ist und im Bewusstsein dieser Verbindung lebt.

Es gibt eine große Wahrheit in punkto All-einheit die auf zweifache Art und Weise ausgesprochen werden kann. Und so verhällt es sich auch mit allen Dingen. Werden sie in Demut und Bescheidenheit ausgesprochen, werden sie zur größten Weisheit. Werden sie aus Hochmut und Überheblichkeit gesprochen, gleichzeitig aber zur größten Narrheit. Der Satz um den es geht lautet: Es gibt nichts zu erreichen. Es gibt nichts zu erlangen. Alles ist immer schon da.

Und in der Tat ist wirklich alles immer schon da. Aber ob wir bereits im Bewusstsein dieser Verfügbarkeit jeder Weisheit und jeden Wissens leben, und aktiv darauf zugreifen können, ist eben nicht immer schon der Fall. Beide Aspekte der Wirklichkeit sollen von uns in eben gleicher, gleichwertiger Weise im Blick behalten werden.

Oder mit Eckehart gesprochen: Lebe und rede ich aus der obersten und höchsten Natur heraus, werden meine Worte auf der geistlichen Ebene so wohlschmeckend wie Wasser, das aus einer frischen Quelle fliesst. Rede ich aber aus meiner alten Natur – etwa um mich, mein Ego anstatt der Wahrheit in Szene zu setzen – wirkt alles irgendwie schal und abgestanden und hat keine Power.

Und noch einen positiven Aspekt hat das Leben, wenn wir uns als in-Gott-seiend erkennen: Alle negativen Umstände, alle Schuld, alles Leid fällt von uns ab, wie ein altes Kleid das man gerade ausgezogen hat. Und stattdessen kleidet uns die Einheit mit Allem in ein kostbares himmlisches Gewand, eine Waffenrüstung des Herrn die uns auch auf der geistlichen Ebene wirkkräftig werden lässt. Das Leben im Leben ist einfach wahres Leben wie es spannender und abwechslungsreicher, aber auch sicherer und geborgener nicht sein könnte.

Darum also: Verbinden wir uns je und je neu mit der größten und herrlichsten Quelle aller Wahrheit und aller Weisheit – mit Gottes Heiligem Geist. Und laben wir uns miteinander an ihm. Denn das ist der Weg, zu Glück, Frieden und heiterer Gelassenheit. Oder – traditionell christlicher gesprochen – der Weg zur Seligkeit.

+++ Mehr kommt bald! +++

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