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Mission Mystik – [elfte Betrachtung]

“Alsdann werden die Jungfrauen fröhlich beim Reigen sein, die junge Mannschaft und die Alten miteinander; denn ich will ihr Trauern in Freude verwandeln und sie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis.” (Jeremia 31,13)

Wenn ein Gefäß voll ist, kann es keinen anderen Inhalt mehr in sich aufnehmen, als das was ohnehin schon darin ist. Will man also in einen Krug, der voll Wasser ist, reinen Wein eingießen, muß man notwendigerweise zuerst das Wasser ausleeren. Und so ist es auch mit dem Geist des Menschen: Sind wir voller Aktivität und Unruhe, kann Erholung und Ruhe nicht mehr dazukommen. Ebendeshalb geht es in der Meditation um zwei Dinge: Achtsamkeit und Leere.

Achtsamkeit meint: Mit seinem Bewusstsein ganz im Jetzt zu sein. Ähnlich wie im Wu Wei (dem Weg des Handelns durch Nichthandeln) geht es in der Achtsamkeitsmeditation hauptsächlich darum, wahrzunehmen was gerade jetzt ist. Und die eigenen Gedanken für eine Zeitlang in die Stille zu überführen.

 Ähnliches finden wir – im Blick auf den christlichen Glauben – in der Schule des Herzensgebets von Starez Theophan, einem orthodoxen Mönch und Gelehrten. Ihm geht es darum mit dem “Intellekt im Herzen” in gedanklicher Stille vor dem Geheimnis Gottes zu verweilen.

Unser Herz ist für die Mystik mehr als nur ein Organ das gleichmäßig schlägt. Das mystische Herz ist ein Ort der Begegnung. Ein Tempel. Das Allerheiligste des menschlichen Lebens.

Dein Herz ist der Ort, an dem du Gott unmittelbar begegnen kannst: der Tempel des Heiligen Geistes.

Für den Mystiker sind Meditation und Gebet Mittel um zum Ziel zu gelangen und nicht so sehr das Ziel selbst. Meditation und Gebet sind für uns wie Fahrzeuge, die uns dabei helfen die unio mystica, die innere Vereinigung mit der Gottheit zu erlangen. In der unio mystica erlebt der Mensch was es bedeutet wenn Jesus selbst im Hohepriesterlichen Gebet sagt: “Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind – ich in ihnen und du in mir -, dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.” (Joh.17,22-23)

In der unio mystica erkennt der Mensch sich selbst hineingenommen in das göttliche Geheimnis des Lebens. Augustinus gibt uns dazu den Rat – wie er auch von Eckhart zitiert wird: “Gieß aus, auf daß du erfüllt werdest. Lerne nicht lieben, auf daß du lieben lernst. Kehre dich ab, auf daß du zugekehrt werdest.” (Buch der göttlichen Tröstung, Insel Taschenbuch, Seite 30) Es geht ihm also um Leere als Zustand in dem der menschliche Geist das Geheimnis Gottes ergründen, ja von Gottes Geist unmittelbar durchdrungen sein kann. Gieße deine Gedanken, deine Vorstellungen aus – und sieh die Wirklichkeit wie sie ist. Erlebe wahre Liebe, indem du dich von emotionalen Anhaftungen deines Geistes an die Kreatur (also an das, was geschaffen wurde) befreist. Kehre dich ab – dieser Satz ist schwer zu fassen. Ich würde sagen: Verirre dich – auf daß du gefunden werdest. Kehre dich ab von deinen eigenen Überzeugungen, deinen verkopften Idealen – und finde die Wahrheit in der Wirklichkeit.

Solange ich – Mensch – mich von Gott getrennt sehe und erfahre, kann ich Gott – und Mensch – nicht von ganzem Herzen lieben. Ich sehe immer die Trennung, die Unzulänglichkeit oder das mysterion tremendum (das erschaudern lassende Geheimnis) der Heiligkeit. Oder ich sehe – auf der menschlichen Ebene – Probleme, und Ärgernisse und Streitigkeit. Untrost. Erkenne ich aber, daß ich in Gott bin und Gott in mir ist, erkenne ich auch meinen Mitmenschen in mir und mich in ihm. Und finde: Trost. Liebe. Frieden.

Und Heiligkeit – in mir 😉

+++ Mehr kommt bald +++

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