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Mission Mystik – [neunte Betrachtung]

“Auch gibts wieder einen anderen Trost. Hat der Mensch äußeres Gut oder seinen Freund oder seinen Verwandten, ein Auge, eine Hand oder was es sei verloren, so soll er dessen gewiss sein, dass, wenn er es um Gottes Willen geduldig leidet, er zum mindesten alles das bei Gott zugute hat, um dessen Preis er jenes (den Verlust) nicht hätte erdulden wollen.”
(M.Eckhardt)

Wer von uns kennt nicht das Gefühl etwas oder jemanden verloren zu haben? Ist Ersteres – das Verlieren einer Sache – meist nicht nicht mit übermäßiger Trauer oder persönlichem Leid verbunden, so doch mit Sicherheit Letzteres – das Verlieren eines geliebten Menschen. Das Phänomen des Verlierens erzeugt im Menschen zwei verschiedene Arten des Leids: die Angst um etwas oder jemanden – also die Angst vor dem Verlust dieser Sache oder Person – als Leid in seiner zukünftigen Perspektive. Und das reale “verloren haben (von etwas oder jemandem)”, verbunden mit seelischem Schmerz und Trauer – als Leid aufgrund eines vergangenen Ereignisses. Doch Meister Eckhardt sagt: Es gibt wieder einen Trost, auch in dieser Situation.

Auge, Hand, Verwandte und Freunde – kein Mensch möchte wohl irgendeines dieser Dinge verlieren. In gewisser Weise gleicht auch unser soziales Umfeld einem geistlichen Leib – oder anders ausgedrückt: einem spirituellen Körper. Deshalb vergleicht Eckhart das Verlieren eines geliebten Menschen mit einer Amputation unseres sozialen Körpers auf der geistigen Ebene. Eine normal existierende Verbindung, die uns vertraut und lieb war, ist plötzlich nicht mehr vorhanden.

Die seelischen Konsequenzen können verheerend sein: Depression, Liebeskummer, die absolute geistige Ausweglosigkeit. Doch – sagt Eckhardt – in dieser Situation gibt es einen Hoffnungsschimmer: den lebendigen Gott.

Der christliche Glaube war von jeher ein Glaube an die Auferstehung. Ein Glaube der bezeugt, das nicht einmal mehr der Tod die letzte Grenze des menschlichen Lebens sein muß. Ein Glaube, der uns die Hoffnung gibt, auch unsere Lieben die wir verloren haben eines Tages wiederzusehen.

Und Eckhart sagt – ausgehend von diesem Motiv der Auferstehung als endgültigem Sieg des Lebens über den Tod – blick nicht auf das, was du verloren hast, sondern auf Gott, der dir für all deinen Schmerz, deine Trauer, deine Wut und deine Verzweiflung Segen und himmliche Reichtümer schenken wird. Schau auf Gott, der deine geistlichen Wunden zu heilen vermag.

Es gibt himmlische Schatzkammern. Es gibt geistliche Reichtümer, die denen zuteil werden, die um des großen Geistes des Lebens willen auch die größten Verluste zu etrtragen bereit sind.

Diese himmlischen Schätze: was mag damit gemeint sein? Ich denke wir sollten uns diese geistlichen Reichtümer nicht allzu naiv-kindlich vorstellen, sondern im Sinne einer adulten Spiritualität zu verstehen suchen. Wer großen Schmerz erdulden musste, der gewinnt dadurch – wenn er den Schmerz verarbeiten konnte – spirituelle Reife. Das Leid als Möglichkeit des Wachstums am Leben gewissermaßen.

Dazu bringt Eckhardt noch ein ähnlich gelagertes Beispiel: Jesus selbst lehrte einmal, daß es niemanden gibt der in diesem Leben Mutter und Schwester, Vater und Bruder um des Himmelreichs willen verlässt, der nicht hundertfach und tausendfach Mütter, Schwestern, Väter und Brüder wieder empfangen würde – in dieser und in der kommenden Welt.

/*Zwar ist ein bewusstes Verlassen seiner Verwandten und seines persönlichen Umfelds etwas anderes als wenn einer unserer Lieben aus unserem Leben herausgerissen wird, aber ich denke das geistige Phänomen des “nicht mehr erreichen könnens” das unserem Schmerz durch Verlust in seinem Innersten zu Grunde liegt, wird auch in diesem Zusammenhang von derselben Bedeutung sein.*/

Eckhart lehrt aufgrund dieser Überlieferung, das damit auch gesagt werde: Unsere Lieben werden uns durch ihre Abwesenheit noch hundertfach und tausendfach lieber als sie es während der Zeit unserer Anwesenheit waren. Und: Um den emotionalen Gegenwert unseres Schmerzes, unseres Leidens wird Gott, der Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit uns Gutes wiedergeben.

Und – so dürfen wir gewiss sein – Gott wird uns für den erlittenen Verlust, einen noch viel größeren Segen in der Zukunft schenken. Am Ende wird alles gut.

+++ Mehr kommt bald +++

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