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Mission Mystik – [sechzehnte Betrachtung]

“Auch hätte Gott die Welt nie geschaffen, wenn Geschaffen-Sein nicht mit Erschaffen eins wäre.”
(Meister Eckhart)

Wenn wir von der uns umgebenden Wirklichkeit sprechen, haben wir oft ein eher ruhiges, unveränderliches und statisches Bild vor uns. Dabei erkennen wir Tag für Tag aufs Neue, daß das Leben und die Welt um uns herum sich permanent wandeln. Und das ist gut so. Veränderung ist ein Kennzeichen des Lebens.

Auch das geistliche – spirituelle – Leben des Menschen ist eine Reise, zwischen den beiden Polen von hesychia (vollkommener Ruhe, Gelassenheit) und dynamis (Kraft, Energie). Aus der vollkommenen Ruhe, zu der der Meditierende findet erwächst ihm neue Kraft für das ganze Leben. Er zentriert sich auf seine körperliche und geistige Mitte, die von asiatischen Traditionen als Hara bezeichnet wird. Im deutschen Sprachraum wurde die auch von christlich-orhtodoxen Mönchen verwendete Meditationspraxis, durch welche die Mönche das göttliche Licht schauen konnten, dabei leider aufgrund von kirchenpolitischen und theologischen Streitfragen als “Nabelschau” bezeichnet und mild belächelt abgetan. Dabei beinhält diese Form der inneren Sammlung einen großartigen Schatz spirituellen Reichtums der uns zu einer unmittelbar erfahrbaren Art der Gottesbegegnung führen kann.

Auch in protestantischen Gemeinschaften wie den Quäkern wurde erkannt: es gibt ein inneres Licht des Göttlichen in uns, das uns die Gottesbegegnung in unserem Herzen erleben lässt. Was auf der spirituellen Ebene in eine Richtung (Geist – Materie) funktioniert, funktioniert meist auch in die andere (Materie – Geist). Es ist durchaus im Bereich der Möglichen, daß die geistliche Schau des inneren Lichts auch eine visionäre Schau des göttlichen Lichts auf der körperlichen Ebene ermöglicht. Nicht umsonst sprechen östliche Kulturen von der “Erleuchtung” als Ziel des menschlichen Lebens.

Es ist natürlich klar, das Licht nicht gleich Licht ist. So heisst es ja auch vom Teufel höchstpersönlich, er kleide sich als Engel des Lichts. Und in der Tat ist es auch in spirituellen Fragen weise, sich etwas wie einen geistlichen Hausverstand zuzulegen, der uns dabei hilft das Wahre vom Falschen zu unterschieden – ansonsten öffnen wir geistlichem Mißbrauch Tür und Tor. Gerade jene Gurus die am lautesten von Liebe und Frieden sprechen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen. Doch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Und darum ist es ganz so, wie Jesus sagt: “Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.” (vgl. Mt. 7,15-20)

Auch für das geistliche Leben gilt, was uns im Bezug auf das materielle Leben einleuchtend scheint: das Leben ist einfach kein starres Konstrukt, sondern dynamisch und einer sehr, sehr starken Veränderung unterworfen. Deshalb harmonieren statische Konstrukte immer nur eine gewisse Zeit lang mit der Urkraft des Heiligen, die jedem Leben innewohnt. Ist unser Kalender zu vollgestopft mit starren Terminen und Plänen, werden wir früher oder später aus dem Tritt kommen – und in den typischen Alltagstrott fallen, der uns dann aufs Gemüt drückt. Planen wir aber Pausen und Ruhephasen ein, erleben wir das Leben wesentlich tiefer, gelassener und entspannter.

So erleben wir, was Eckhart meint wenn er sagt: Geschaffen-Sein und Erschaffen sind eins. Wir sind nicht getrennt von Gott, sondern die Schöpfung die Gott gerade im Moment vollbringt. Schöpfung ist auch in ihrem geistlichen Sinne kein einmaliges und jetzt ein für allemal abgeschlossenes Geschehen, das alleine auf den Zeitpunkt der Entstehung des Universums, der Welt oder des Lebens begrenzt wäre, denn das Geschaffen-Haben setzt ja das Erhalten voraus. Und was ist der Erhalt der Schöpfung anderes, als die Fortsetzung des Schöpfungsakts im Hier und Jetzt?

+++ Mehr kommt bald! +++

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