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Mission Mystik – [vierte Betrachtung]

Sankt Augustinus spricht: Für Gott ist nichts fern noch lange. Willst du, daß dir nichts fern noch lange sei, so füge dich zu Gott, denn da sind tausend Jahre wie der Tag der heute ist.
(Liber Benedictus, M.Eckehardt, Insel Taschenbuch, Seite 15)

Die geistige Trias von Gerechtigkeit, Weisheit und Gutheit erscheint uns zuerst auf unpersönliche Weise. Alle drei Phänomene sind ja im Grunde Eigenschaften – und wie soll eine Eigenschaft auch persönlich sein? Persönlich werden diese drei Größen im Blick auf ihr gemeinsames Wesen, und ihr Verhältnis zu uns.

Mitunter ist man einfach fertig und alles scheint mühsam und schwer von der Hand zu gehen. Dann gibt es Zeiten, da flutscht alles nur so dahin und alles geht locker, frisch-fröhlich, einfach von der Hand. Es ist geradezu so, als würde der Mensch durch eine große Wohnung gehen, und dabei verschiedene Räume mit verschiedenen Atmosphären durchwandern.

Manche Räume sind dunkel, triest und irgendwie schief, zumindest kommt man in ihnen schlecht vom Fleck. Andere dagegen sind genau das Gegenteil davon: durch große Fenster scheint die Sonne rein, und es ist einfach schön sich in ihnen aufzuhalten.

Vielleicht ist es aber auch einfach so, daß es geistige Räume gibt, in denen sich der Mensch bewegt. Dabei gibt es einen einfachen Trick wie man von einem der triesten Räume, den emotionalen Rumpelkammern, in die hellen, Prachträume gelangen kann: So wie man in seinem Haus einfach von Zimmer zu Zimmer geht, kann man auch in seiner geistigen Wohnung die Räume wechseln – oder auch umdekorieren.

Stelle ich mir zum Beispiel vor, daß ich in einem eher triesten Raum bin – etwa weil es mir gerade schlecht geht oder ich wenig Power habe, dann kann ich mir einfach vorstellen im Geiste in einen anderen Raum zu wechseln. Ich entscheide mich dann dafür einfach in den Raum “Gutheit” zu kommen, und sehe vor meinem inneren Auge wie die düsteren Schwaden um mich verschwinden und ich plötzlich in einer Wolke des Lichts sitze.

//Probiers einfach mal aus – es funktioniert.

Das Göttliche ist alles in allem – und in allem eins!

Um aber bei Eckehart und dem Buch der göttlichen Tröstung zu bleiben – um den es ja in diesem Blog gehen soll – dann sagen wir mit Eckehart: Gott ist im Prinzip wie der Raum der schön-geistlichen Räume. Oder eben die Dimension in der sie sich befinden. In der Vorstellung Eckeharts gibt es dabei keine Trennung zwischen Gott und den einzelnen Zimmern. Man könnte also sagen: Gott ist wie das Haus in dem sich die Räume von Gutheit, Gerechtigkeit und Weisheit befinden.

Da Gott alleine gut ist – ist auch nichts negatives in ihm. Eine Vorstellung die wir auch bei Martin Luther finden, der in seinen Tischreden sagt: “Gott macht keine traurigen Gedanken, er schreckt nicht, er tötet nicht, sondern er ist ein Gott der Lebendigen.” Und trittst du in dieses Haus – diesen himmlischen Tempel – Gottes im Geiste ein, dann sind Schmerz, Leid, Kummer und Krankheit auch dir fern. So findet der Mensch nach den Worten Eckeharts wahren Trost für alles Leid, indem er nur Gott in allem liebt und alles nur in Gott liebt.

/* Indem ich mich mit dem Schöpfer, als Urgrund des Kosmos vereine, lasse ich alle Kreatur – und alles Geschaffene – beiseite. In der unio mystica erfahren wir, wie das Leben aus der Quelle des Lebens selbst je und je neu in uns strömt und alle Trübsal von uns nimmt. */

Das zweite was man nach den Worten des mittelalterlichen Mystikers wissen muß um himmlischen Trost zu empfinden, ist aber dies, daß der Gerechte sich an nichts anderem so sehr erfreut wie an der Gerechtigkeit selbst. Bist du also ein Sohn (oder eine Tochter) der Gerechtigkeit, weil du dich geistig mit ihr verbunden hast, so ist es eine wahre Freude und Erquickung im Hause der Gerechtigkeit selbst zu wohnen und ihre Werke durch dich Wirklichkeit werden zu lassen.

/*Der Grundgedanke von Eckehardt ist dabei immer gleich:Welcher geistigen Macht – oder welchem Zustand – ich mich in meinem Denken öffne, dessen Teil werde ich selbst. Öffne ich mich also dem Guten, werd eich Teil der Gutheit. Öffne ich mich der Depression – muß dies als geistlicher Mechanismus aber vice versa wohl ebenso gelten…*/

Zugleich sagt Eckehardt auch: Alles was nicht Gott ist bringt aus sich selbst heraus eine natürliche Bitterkeit mit, die zu Untrost führt, und die Wurzel des Leids in sich trägt. Kehre ich mich als  Mensch der Kreatur – dem Geschöpf – zu, von der Untrost ausfliesst, und mich von Gott abwende – der doch die Quelle des Trostes ist – wie logisch ist es da, daß ich Untrost statt Trost in meinem Leben finde?

Kehre ich aber – nach Eckeharts Diktion – geistig wieder um, und richte mich neu auf Gott aus – oder eben auf das Gute, die Gerechtigkeit, die Weisheit als geistlichen Räumen (etwa wenn die Engine meiner Spiritualität kein christliches Framework unterstützt) – wird mir der übernatürliche Trost, der aus der positiven Atmosphäre meiner geistigen Räume kommt sich auch in den Wirrungen meines Alltags bald wieder manifestieren. Und ich als Mensch werde ruhiger und gelassener werden… 

+++ Mehr kommt bald +++

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